Geschichte
Die Karwoche ist das identitätsstiftende Ereignis Tarents, eines der ältesten und eindrucksvollsten Riten Italiens. Ihre Ursprünge reichen zurück bis 1703, als der tarentinische Patrizier Don Diego Calò in Neapel die Statuen des toten Christus und der Schmerzensmutter in Auftrag gab und damit eine Tradition begründete, die seit über drei Jahrhunderten andauert.
1765 schenkte der Nachfahre Francesco Antonio Calò die Statuen der Bruderschaft del Carmine und übertrug ihr die Ehre und Pflicht, die Prozession fortzuführen. Seitdem hält die Stadt jedes Jahr inne und versammelt sich in einer kollektiven Liturgie, die Glauben, Kunst und Volksidentität miteinander verwebt.
Sehenswertes
Die perdoni. Die Protagonisten sind die perdoni (oder perdúne), die vermummten Bruderschaftsmitglieder, die paarweise ziehen, genannt „poste“. Ihr extrem langsamer, wiegender Gang heißt „nazzicata“, ein Schritt, der Gebet und Buße symbolisiert und zum visuellen Symbol der tarentinischen Riten geworden ist. Wenn sich zwei poste kreuzen, geschieht u salamelicche: die perdoni nehmen den Hut ab und grüßen sich, indem sie die Pilgerstäbe kreuzen.
Die zwei Prozessionen. Am Gründonnerstag beginnen die Pilgerfahrten zu den Grabstätten; um Mitternacht startet von der Kirche San Domenico aus die Prozession der Addolorata, begrüßt vom Trauermarsch „A Gravame“. Am Karfreitagnachmittag beginnt von der Kirche del Carmine aus die Prozession der Misteri, mit den Statuen der Passion, die erst im Morgengrauen des Karsamstags zurückkehrt: eine extrem langsame und hypnotische Prozession, begleitet vom Klang der troccola (Holzratsche).
San Cataldo. Der andere große religiöse Termin ist das Fest des Stadtpatrons am 10. Mai: die Seeprozession mit dem Abbild des Heiligen, begleitet von Booten, und die außerordentliche Öffnung der Drehbrücke sind Momente intensiver Volksbeteiligung.
Wussten Sie schon…
- Die Riten reichen zurück bis 1703, als Don Diego Calò die Statuen aus Neapel kommen ließ.
- Die „nazzicata“ ist der extrem langsame, wiegende Gang der perdoni: Symbol der tarentinischen Riten.
- „U salamelicche“ ist der rituelle Gruß zwischen zwei sich kreuzenden Bruderschaftspaaren.
- Die Prozession der Misteri dauert die ganze Nacht und kehrt im Morgengrauen des Karsamstags zurück.
Praktische Informationen
| Öffnungszeiten | Bewegliche Termine zwischen März und April, gemäß dem liturgischen Kalender. San Cataldo: 10. Mai. |
|---|---|
| Eintritt | Kostenlos: die Riten finden auf den Straßen und in den Kirchen der Stadt statt. |
| Barrierefreiheit | Die Prozessionen verfolgt man entlang der Stadtstraßen; manche Bereiche können sehr überfüllt sein. |
| Anfahrt | Die Riten finden im Stadtzentrum und in der Altstadt statt, zwischen der Kirche del Carmine und San Domenico. |
Tipps für den Besuch
- Reservieren Sie die Unterkunft weit im Voraus: die Karwoche zieht viele Besucher an.
- Um die intensivste Atmosphäre zu erleben, folgen Sie der Prozession der Misteri in der Nacht.
- Verhalten Sie sich respektvoll: es sind Riten tiefer Andacht, keine Schauspiele.
- Verpassen Sie am 10. Mai nicht die Seeprozession für San Cataldo.